Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt: Noch ist Sand im Getriebe / Hoffnung auf „Integration points“

Tagung von Fachhochschule der Wirtschaft und Diözesan-Caritasverband

Die bürokratischen Hürden bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt könnten bald deutlich niedriger ausfallen: Spezielle „Integration points“ sollen flächendeckend dazu beitragen, dass Arbeitsagenturen und Ausländerbehörden enger zusammenarbeiten und gemeinsam Ansprechpartner sowohl für Flüchtlinge als auch für interessierte Unternehmen sind. „Da wird in nächster Zeit sehr viel passieren“, betonte Ali Doğan, Referent im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales, bei einer Tagung der Paderborner Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) und des Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn.

Wie groß die Bereitschaft heimischer Arbeitgeber ist, Flüchtlingen zu helfen, belegte allein schon die Teilnehmerzahl. Fast 100 Vertreter aus größeren Unternehmen, mittelständischen Betrieben, Kommunen und Wohlfahrtsverbänden diskutierten über die möglichen Beiträge der Wirtschaft für die Integration von Flüchtlingen. Doch so groß das Interesse, so deutlich ist bei manchen auch der Frust über „Sand im Getriebe“, wie es ein Teilnehmer formulierte. „Es besteht Handlungsbedarf“, so Prof. Dr. Micha Bergsiek von der FHDW.

Obwohl inzwischen auch Asylsuchende schon nach drei Monaten arbeiten dürfen (wenn sich nicht ein EU-Bürger auf die Stelle bewirbt), hakt es bislang gewaltig zwischen den zuständigen Behörden: Denn bevor ein Flüchtling arbeiten darf, braucht es das Okay der Ausländerbehörde, die wiederum in bestimmten Fällen die Zustimmung der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit einholen muss. In diesem Behörden-Bermuda-Dreieck bleiben immer wieder Anträge auf der Strecke. „Wir brauchen schnellere Entscheidungen“, lautete denn auch eine Forderung Richtung Arbeitsverwaltung.

Allerdings hat die geforderte Geschwindigkeit ihre Grenzen: „Bis zu 30 Prozent der Menschen, die zu uns kommen, sind traumatisiert, stehen damit gar nicht für den Arbeitsmarkt zur Verfügung“, betonte Martin Strätling vom Caritasverband Paderborn. Aktuell gehe es eher darum, für die vielen Neuankömmlinge ein Dach über dem Kopf zu finden. „Das Wohnproblem bindet auch bei den Ausländerbehörden alle Ressourcen.“ In 90 Prozent der Fälle seien keine Ausweisdokumente vorhanden, geschweige denn der Nachweis beruflicher Qualifikationen.

Die Tagung verdeutlichte, dass es trotz der Aussicht auf flächendeckende „Integration points“ keine einfachen Lösungen gibt. Unterschiedliche Akteure müssen vor Ort aktiv kooperieren, wenn Integration in den Arbeitsmarkt gelingen soll: Neben den Arbeitgebern, den Arbeitsagenturen und Ausländerbehörden sind dies Bildungsträger, zu denen auch Wohlfahrtsverbände wie die Caritas und ihre Fachverbände zählen. Sie bieten u. a. Sprachkurse und weitere Hilfen zur Integration an. Flüchtlingskoordinatoren auf kommunaler Ebene vermitteln z. B. den Betrieben Kontakte zu Ehrenamtlichen, die einzelne Personen gezielt begleiten können.

Bildzeile:

Diskutierten über die Integration von Flüchtlingen in das Berufsleben: v. l.: Christoph Eikenbusch (Caritas), Prof. Dr. Micha Bergsiek (FHDW), Ingrid Tegeler (Arbeitsagentur), Ali Doğan (Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales), Karl-Hans Kern (CSR Kompetenzzentrum der Caritas Deutschland)